Montag, 24. Januar 2011

[Rezension] Bettina Belitz - Scherbenmond

Bettina Belitz - Scherbenmond

script 5 - Verlag
ISBN: 978-3839001226
688 Seiten - gebundene Ausgabe

Inhalt:

Vorab für die, die es vielleicht nicht wissen: Scherbenmond ist der zweite Teil einer Triologie. Der erste war Splitterherz. Wer Splitterherz nicht gelesen hat, sollte hier nicht weiterlesen, denn es verrät einiges aus dem ersten Teil!

Längst ist der Sommer vergangen. Der Sommer, in dem Ellie Colin kennenlernte. Colin ist ein Nachtmahr und eigentlich für Menschen gefährlich. Denn seine Gattung raubt den Menschen die Träume - die schönen Träume. Doch Colin ist anders - er mag das, was er ist nicht und versucht die Menschen zu verschonen, indem er den Tieren ihre Träume raubt. Und auch nur so kann er sich Ellie nähern - satt. Denn dann ist er für sie nicht so gefährlich.

Scherbenmond beginnt, nachdem Colin Ellie verlassen hat. Denn er ist auf der Flucht vor Tessa - seiner Mutter. Diese ist abgrundtief böse und kann Colin aufspüren, sobald er Glück empfindet. Und so ist Ellie allein und einsam. Und nicht nur das, auch Ellies Vater ist seit Wochen spurlos verschwunden. Diese Phasen gab es zwar immer wieder mal - denn Ellies Vater ist ein Halbblut - halb Mensch, halb Mahr. Dieses mal aber dauert es länger und so beschließt Ellies Mutter einen Brief zu öffnen, der für diese Notfälle von Ellies Vater hinterlegt ist.

In diesem Brief finden sowohl Ellie als auch ihre Mutter Anweisungen, was zu tun ist. Ellies Auftrag ist, Paul (ihren Bruder) nach Hause zu holen. Der lebt in Hamburg und hat sich von der Familie abgewandt, da er die Geschichte vom Halbblut nicht glaubt. Mehr oder weniger gegen den Willen ihrer Mutter fährt Ellie nach Hamburg und erlebt dort eine böse Überraschung. Denn Paul hat sich verändert. Er scheint nicht mehr er selbst zu sein, ist krank und wirkt wie ein alter Mann, obwohl er erst 24 Jahre alt ist. Und er hat einen Lebensgefährten: Froncois. Aber Ellie glaubt nicht, daß ihr Bruder auf einmal auf Männer steht. Irgendwas ist da im Busch und sie versucht herauszubekommen was. Und tatsächlich erfährt Ellie im Laufe des Buches was es ist und versucht dagegen zu kämpfen - ein Kampf auf Leben und Tod.

Meine Meinung:

Das Buch fängt für meinen Geschmack sehr düster und deprimierend an. Aber kein deprimierend, daß einem der Wunsch kommt, das Buch aus der Hand zu legen. Es ist mehr eine Art bittersüße Melancholie, die auch sehr gut dazu paßt, daß Colin Ellie verlassen hat.

Durch einige Rezensionen, die ich vorher gelesen habe, war ich sehr skeptisch dem Buch gegenüber. Es wäre so völlig anders als das erste, nur halb so schön ...

Ich kann dem überhaupt nicht zustimmen. Nach der anfänglichen Melancholie, in der man einfach nur hofft, daß Colin wieder auftaucht und nicht das ganze Buch ohne ihn spielt, verfällt man in einen Bann aus Spannung, der sich in Hamburg aufbaut, als Ellie zu Paul fährt. Entgegen dem ersten Teil findet nicht mehr so viel im Traum statt, sondern in der "Realität". Einer erfundenen Realität, denn schließlich befinden wir uns in einem Buch - einem Roman. Keinem Tatsachenbericht. Und hier ist alles möglich, und genau so sollte es auch sein.

Ich war gefesselt in Ellies Abneigung gegen Francois. Ihrem Mißtrauen und Verdächtigungen. Ich habe mit ihr gekämpft bei der fast aussichtslosen Aufgabe Paul zu retten. Ich habe oft herzhaft gelacht über Sätze, die so witzig waren, so lebendig, daß das Buch seine eigene wirkliche Realität erhielt. Ich hatte Tränen in den Augen, als Colin auftauchte und Ellie so stark verletzte. Habe Ellie gut zugeredet, Vertrauen in Colin zu haben. Habe herzhaft geseufzt nach Szenen, die sich in Trischen abspielten - eine kleinen Vogelwarte komplett von Wasser umgeben. Habe Verluste gespürt, Freude, Ängste, Trauer.

Ich war absolut gefesselt von diesem Buch. Mir hat es fast noch besser gefallen als Splitterherz. Während dort alles wie in einem Traum geschah, wurde man hier mit einer harten Realität konfrontriert, die einen doch mehr und mehr in ihren Bann zog.

Ich bin fasziniert vom Schreibstil Bettina Belitz, der scheinbar so gut auf meiner Wellenlänge liegt, daß ich nicht ein Wort verpassen möchte, nichts überfliegen möchte. Der mich so in den Bann zieht, wie ich es selten hatte (zuletzte bei der Twilight-Serie).

Ich bin traurig, wenn ich daran denke, daß der dritte und letzte Teil in unvorhersehbarer Zukunft liegt - denn noch ist kein Erscheinungstermin bekannt und da Scherbenmond gerade erst herauskam, wird es wohl noch dauern.

Ich für mich kann nur Danke an Bettina Belitz sagen, die mich so berührt mit ihrer Geschichte!

Wem Twilight gefiel, dem kann ich diese Serie nur ans Herz legen. Sie hat für mich einen ganz anderen Inhalt, zwei ganz andere Welten, aber sie ist genau so ergreifend. Auch wenn eine Person in dem Buch Colin ständig mit Edward (aus Twilight) vergleicht, was das ganze wieder so echt werden ließ und worüber ich so oft gelacht habe.

Auch wieder bemerken möchte ich den wunderschön gestalteten Umschlag. Das graue, recht rauhe Papier wird unterbrochen von der wunderschönen Zeichung des Mondes. Um ihn herum Motten, Flügel, Blätter, Herzen. Und viele dieser Elemente sind plastisch hervorgehoben und glänzen.

Und diesmal möchte ich keinen Satz aus dem Buch zitieren, sondern das, was den Rücken des Umschlags ziert:
"Ich bin wie die See. Ich werde mich über Dich erheben und Dich umfangen, wenn alle Brücken zerstört sind. Komm zu mir, in die Welt des Wassers. Hier ist niemand außer uns. Wir werden uns ganz nah sein und selbst in Deinen tiefsten Träumen werde ich Dich niemals loslassen." *gänsehauthab*

1 Kommentar:

  1. Endlich mal jemand, dem Scherbenmond gefällt. Hab bisher leider nur negatives über das Buch gehört.
    ;)

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