Sonntag, 20. Februar 2011

[Rezension] Jenny Valentine - Die Ameisenkolonie

Jenny Valentine - Die Ameisenkolonie

dtv premium
ISBN: 978-3-423-24842-6
215 Seiten Taschenbuch
Erscheinungstermin: April 2011


Ich habe dieses Buch bei dtv im Rahmen einer Vorab-Testleseaktion gewonnen, daher ist es schon so früh bei mir.

Die ersten 23 Seiten könnt Ihr auch schon bei dtv lesen, klickt einfach auf das Bild!



Die Autorin:
Jenny Valentine arbeitete als Schmuckhandwerkerin, studierte Englische Literatur und arbeitet heute in einem Bio-Laden. Sie ist mit einem Sänger und Liedtexter verheiratet und hat zwei Kinder.
Die Ameisenkolonie ist bereits ihr drittes Buch (nach "Wer ist Violet Park?" und "Kaputte Suppe".


Inhalt:
Die Georgiana Street 33 scheint der ideale Platz zum Sammeln der unterschiedlichsten Menschen. Die Mieter haben die verschiedensten Gründe, warum das Haus für sie der perfekte Wohnort ist. Sam ist von zuhause ausgerissen und möchte hier untertauchen. Bohemia ist es gewohnt von ihrer Mutter Cherry von Wohnung zu Wohnung geschleppt zu werden. Die alte Isabel drängt sich mit ihrer neugierigen aber doch mitfühlenden Art jedem auf und scheint viel eher der Vermieter zu sein als Steve, der es in Wahrheit ist. Und dann gibt es noch Mick, der eigentlich immer nur dazwischen ist. Jeder der Bewohner hat seine eigenen Probleme und Vorstellungen. Doch obwohl jeder den Abstand sucht, erwächst aus diesem Haus eine Zusammengehörigkeit, die in der Not beisteht.

Meine Meinung:
Ein wie ich finde, sehr ungewöhnliches Buch. Jenny Valentine schreibt in einer fast sachlichen, kühlen Art, die einen aber doch nicht kalt läßt. Fast scheint es mehr ein Bericht über das Leben der so unterschiedlichen Protagonisten zu sein. Aber nur fast. Denn das Buch hat mehrere Besonderheiten.

Zum einen wird es abwechselnd von Sam und Bohemia in der Ich-Perspektive erzählt. Und obwohl die beiden so unterschiedlich sind, setzt sich die Geschichte des Hauses lückenlos fort. Trotz der so knappen Schilderungen der Umgebung, kann man sich dennoch wunderbar ein Bild aufbauen von dem Haus, in dem die Geschichte spielt. Von den Menschen, die dort leben. Von der Geschichte eines jeden einzelnen - aber besonders von den beiden Geschichten von Sam und Bohemia, die überhaupt nicht zusammengehören und hier doch so fesselnd verwoben werden.

Ich mochte sowohl Sam als auch Bohemia. Beides eigentlich Kinder, die das Leben doch ein Stück zu erwachsen gemacht hat. Schön fand ich, daß nach und nach in dem Buch dann auch das Rätsel gelöst wurde, warum Sam eigentlich abgehauen ist. Und obwohl man eigentlich böse auf ihn sein sollte, hat man doch nur Mitleid mit ihm. Er hat viel verloren durch dumme Taten und er scheint in der Georgiana Street 33 zu wachsen und zu erkennen. Bohemia kam mir immer ein bißchen wie ein kleiner Schmetterling vor. Schön anzuschauen, liebreizend und doch in der Hektik des Alltags von allen als gegeben hingenommen und so kaum wahrgenommen. Dank ihrer ständigen Quasselei geht sie den Bewohnern fast ein bißchen auf die Nerven. Bis sie nicht mehr da ist und jeder sich fragt, was er hätte besser machen können.

Und auch die alte Isabel war für mich eine sehr schöne Rolle. Obwohl sie oft als neugierig und meckernd dargestellt wurde, war sie doch irgendwie die Seele im Haus. Gab das bißchen Liebe, was angenommen wurde. Hielt die Hausgemeinschaft zusammen. Sorgte dafür, daß jeder wußte wer wer ist.

Eine Nebenrolle sei noch erwähnt. Max. Sams Freund?! Völlig fasziniert von Ameisen. Und so gibt es einige Erzählungen über die kleinen fleissigen Tiere und wir können erkennen, was Strukturen bewirken können.

Ein wirklich gutes Buch, das sich leicht lesen läßt. Das einem versucht zu zeigen, was wichtig im Leben ist und weglaufen nicht immer ein Weg. Denn man nimmt sich immer mit.

Einen Satz hab ich Euch noch mitgebracht, der mir im Gedächtnis blieb:

"Ich kann nicht weglaufen" sagte ich. "Ich bin nach wie vor verantwortlich. Wo ich auch bin, es ist immer noch meine Schuld."

Fazit:
Das Buch ist mit seinen 215 Seiten sehr kurz, doch man hat nicht das Gefühl, irgend etwas verpaßt zu haben. Es ist eine wirklich tolle Geschichte, die zum Nachdenken einlädt. Und ganz besonders toll gefallen haben mir auch die kleinen Ameisenfiguren - die so sinnbildlich für die Bewohner des Hauses waren - und sich nicht selten auf den Seiten tummelten.


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