Freitag, 21. Januar 2011

[Rezension] Helen Vreeswijk - Chatroom-Falle


Helen Vreeswijk - Chatroom-Falle

Loewe-Verlag
ISBN: 978-3-7855-7271-9
304 Seiten - Taschenbuch

Die Geschichte (wobei, ist es wirklich eine Geschichte oder eher eine Realitätsbeschreibung?) beginnt an einem regnerischen Samstag Nachmittag. Schauplatz - die Rückseite einer Bushaltestelle. Hier findet ein älteres Paar, das eigentlich mit dem Bus fahren wollte, zwei apathische junge Mädchen. Kaum ansprechbar, verwirrt, weinend. Die sofort verständigte Polizei läßt die beiden Mädchen ins Krankenhaus einliefern und beginnt dann mit ihren Ermittlungen.

Das Buch dreht sich um Marcia und Floor. Die beiden 15jährigen Mädchen begeben sich in eine gefährliche Welt im Internet. In anonyme Chaträume. Hier treffen sie auf Jungen und Männer. Eigentlich wollen die beiden nur ein bißchen flirten und vielleicht einen netten Freund finden.

Marcia ist die kühnere von beiden und geht bei diesen Chats auch weiter. Sie läßt sich leicht überreden, sich vor Webcams auszuziehen und findet daran auch nichts wirklich schlimmes. Aber noch mehr eigentlich ist sie auf Erik fixiert. Auch er ist ein Junge, den sie im Chat kennenlernte und den sie unbedingt treffen möchte.

Bevor es aber zu diesem Treffen kommt, erwartet die beiden Mädchen ein aufregendes Abenteuer. Eine Model-Agentur hat die beiden angeschrieben und möchte Fotos mit ihnen machen für eine neue Mädchenzeitung. Die beiden sind sehr aufgeregt und beim ersten Treffen läuft auch wirklich alles super gut. Dann aber bekommen sie eine Absage für diese Mädchen-Zeitung und gleichzeitig ein Angebot für einen anderen Auftrag. Hierfür müssen die beiden zu einem erneuten Fototermin aufbrechen und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Ich fand es erschreckend, wie leichtgläubig diese Mädchen mit dem Medium Internet umgehen. Da dies Buch von einer Kriminalbeamtin geschrieben wurde - und man auch so genügend über die Medien mitbekommt, kann ich mir gut vorstellen, daß die Handlung tatsächlich sogar Realität sein könnte. Obwohl die beiden Mädchen sehr naiv geschildert werden, sind sie dabei nicht unglaubwürdig. Letztendlich sind es ja doch noch irgendwo Kinder.

Es hat mich stark berührt, in was für einer Gesellschaft wir leben. Wie krank Menschen doch sind, dies anderen Menschen anzutun. Nein, ich höre nicht das erste mal davon. Aber so geballt wie in einem Buch wird man selten damit konfrontiert. Und dabei ist das Buch nicht aufreisserisch geschrieben. Viele Sachen sind mehr angedeutet oder nur kurz zur Sprache gebracht - ausreichend um zu wissen worum es geht. Und das finde ich auch das positive daran. Ich muß diese Verbrechen nicht in allen Details lesen.

Sehr interessant fand ich hierbei auch die Arbeit der Polizei. Aus was für Kleinigkeiten sie Schlüsse zogen und ermittelten. Ein sehr faszinierendes Buch, und trotz aller schockierender Ehrlichkeit doch auch sehr einfühlsam geschrieben.

Ich habe selbst keine Kinder, aber ich finde dies Buch gerade für Eltern eigentlich sehr geeignet. Vor allem, wenn die Eltern sich vielleicht gar nicht so mit Computern und Internet auskennen. Um ihnen zu zeigen, wie schnell man doch in eine Falle tappen kann. Und genau so gut fände ich es gerade für Kinder in dem Alter, in dem sie die Handlung verstehen können und erste Schritte im Internet machen. Um sie ein bißchen zur Vorsicht zu geleiten, um ihnen zu zeigen wie schnell man auf vermeintlich gute Angebote hereinfallen kann.

Ein wirklich gutes Buch, ich kann es nur empfehlen!

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