Samstag, 5. November 2016

[Rezension] Carin Müller - Tage zwischen Ebbe und Flut

Verlag: KNAUR

Taschenbuch (1.9.16): KLICK - 9,99 € - 288 Seiten
ebook: KLICK - 9,99 €
Altersempfehlung: Erwachsene
Genre: Roman / Schicksal
Reihe: Nein - Einzelband

Die Autorin:
Carin Müller schreibt, seit man es ihr 1978 in der ersten Klasse beigebracht hat. Da war ihr aber noch nicht klar, wie wichtig die Fähigkeit, Buchstaben zu Worten und Worte zu Sätzen zu verbinden, einmal werden würde. Zu diesem Zeitpunkt wollte sie Tierärztin, Raumschiffkapitän oder Floristin werden. Alternativen, die nach wie vor einen gewissen Reiz haben - wenn ihr Hund krank ist oder eine fiese Deadline droht. Trotzdem hat sie sich fürs Schreiben entschieden und arbeitet seit gut fünfzehn Jahren als freie Journalistin und Autorin. Carin Müller lebt mit Mann und Hund in Frankfurt und schreibt fast täglich auch in ihren beiden Blogs über "Einsichten aus dem Kiosk" (www.carinmueller.de) und Fußball. (www.11spielerfrauen.de) 





Inhalt:
Das Buch erzählt die Geschichte von Felix, der unter Alzheimer leidet. Doch sie erzählt nicht nur, wie schwer und teilweise ärgerlich es für ihn selbst ist, mit dieser fortschreitenden Krankheit zu leben, sondern auch, wie sein Umfeld damit umgeht. Ein schweres Thema eingehüllt in einen hier und da sogar mal leichten und unterhaltsamen Roman, der behutsam zeigt, wie  schwer dieses Thema für den Betroffenen und die Angehörigen ist und wie leicht sich hier und da doch auch Freude einschleichen kann, wenn man es am wenigsten erwartet.

Meine Meinung:
Ein schweres Thema. Normalerweise vermeide ich Bücher dieser Art. Denn sie spiegeln den Alltag wieder. Die Probleme und Tragödien, die so real sind.  In meinen "BuchZeiten" versuche ich eigentlich, genau diesem Ernst zu entgehen, da ich finde, die Realität ist schwer genug. Doch dieses Buch bekam ich vom Verlag unvorhergesehen zugeschickt .. und das Cover machte mich doch neugierig und ich wollte ihm eine Chance geben und ich denke, ich wurde tatsächlich belohnt mit einer doch sehr ergreifenden aber gar nicht so schweren Geschichte. Denn die Autorin schaffte es, kein Drama daraus zu machen, und doch den Ernst der Lage zu vermitteln.

Eigentlich denkt man zunächst, dass der siebzigjährige Felix im Mittelpunkt steht. Denn es ist sein Schicksal, seine Reise, sein Wunsch auf ein letztes großes Abenteuer. Doch gleichermaßen ist es auch die Geschichte seiner Frau Ellen, seiner Tochter Judith und seiner Enkelin Fabienne. Die Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die auch so unterschiedlich mit der Erkrankung umgehen.

Für mich bestand der Hauptteil des Buches eigentlich in den sehr häufigen Meinungsverschiedenheiten von Ellen und Judith. Und es war auch nicht möglich, überhaupt Partei für eine von Beiden zu ergreifen, denn irgenwie hatten beide Recht und Unrecht. Während Judith ihrer Mutter ständig vorwarf, ihren Vater zu bevormunden, beklagte die Andere, dass sie sich gar kein Bild über das tägliche Zusammenleben machen könnte. Und Stück für Stück im Buch erfährt man mehr. Vom Jetzt und von der Vergangenheit. Von Missverständnissen und Trugbildern.

Doch immer wieder gibt es auch Momente, die innehalten lassen. Die zeigen, dass es gerade die Momente sind, die wir festhalten müssen. Aus denen wir Kraft schöpfen sollten - und nicht nur, wenn wir so schwere Probleme haben, wie die Protagonisten in diesem Buch. Und ich finde auch, man lernt ein bisschen was über diese Krankheit, auch wenn es sicherlich nur ein kleiner Fitzel ist, der uns zeigt, wie wichtig die Zeit ist, die wir jetzt noch haben und dass von einem Tag auf den anderen alles anders sein kann.

Fazit:
Ein schweres Thema, umhüllt von Momenten der Leichtigkeit und des Glücks. Winzige Begebenheiten, die helfen können, wieder durchzuatmen und sich zu erinnern, was war und was ist. Ich kann das Buch wirklich empfehlen, auch wenn man sich zunächst vielleicht nicht dem Thema widmen möchte. Und nach dem Lesen gibt auch der Titel so viel, was man vorher gar nicht sah. Sehr passend gewählt!

Meine Wertung:





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