Samstag, 10. November 2012

[Rezension] John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Hanser
ISBN: 9783446240094 
285 Seiten - gebundene Ausgabe - 16,90 Euro
Erschienen: 30.07.2012
Altersempfehlung: 13-16 Jahre (ich finde 13 zu jung!)
Genre: Jugendbuch / Drama

ebook-Version: KLICK -  12,99 Euro
Hörbuch-Version: KLICK -  19,99 Euro

Der Autor:
John Green, 1977 geboren, erlangte bereits mit seinem Debüt Eine wie Alaska (Hanser, 2007) Kultstatus unter jugendlichen Lesern. Das Buch wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. war es für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Darauf folgten die Jugendromane Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) (2008) und Margos Spuren (2010), ebenfalls nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis und ausgezeichnet mit der Corine. Inzwischen wird Green mit Philip Roth und John Updike verglichen. Er lebt mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Indianapolis. Das Schicksal ist ein mieser Verräter, das in den USA schon vor dem Erscheinen ein Bestseller war, erscheint im Juli 2012 bei Hanser.


Inhalt:
Hazel ist 16 und wenn sie eins hasst, dann ist es Mitleid. Sie möchte die Zeit, die ihr noch bleibt so verbringen, wie sie es gerne möchte.  Sie hasst die geheuchelten Aufforderungen am Leben teilzunehmen, denn sie hat kein  Leben. Zumindest könnte es jeden Tag enden. Und trotzdem muss sie in die Selbsthilfegruppe für Krebspatienten. Und sie hasst es. Doch dann kommt der Tag, der alles ändert. Der Tag, an dem sie Gus in dieser Gruppe kennenlernt. Gus, der auf dem Weg nach oben ist. Der eine 80%-ige Überlebenschance hat. Dem sie nicht erlauben will, sich in sie zu verlieben, weil sie gehen wird. Und der ihr trotzdem ihren größten Herzenswunsch ein Stück näher bringt.

Meine Meinung:
Wie beschreibt man ein  Buch, das vom Tod erzählt. Das uns offen und brutal zeigt, wie wenig Zeit wir haben. Und wieviel weniger manche Menschen. Die sonst so gängigen Worte wie super, toll, fantastisch .. sie passen hier einfach nicht. Es ist schwer es zu beschreiben, denn trotz allem hat es mich absolut begeistert, in seiner traurigen, offenen Ehrlichkeit.


Zunächst fängt das Buch eigentlich sehr unterhaltsam an. Hazels Humor ist in meinen Augen einfach göttlich. Sie bemängelt vieles, ist genervt von vielem. Aber alles auf eine nette ironische Art. Sehr viel gelacht habe ich zu Beginn des Buches. Natürlich .. auch wenn man es dort schon besser weiss, die Hoffnung ist schließlich die, die zuletzt stirbt, oder?


Dann wechselt das Buch ein bisschen .. der Humor wird weniger, die Gefühle von Hazel und Gus stehen im Vordergrund. Ihre Gefühle für ihre Krankheit, ihre Freunde und für sich. So liest man zum Beispiel an einer Stelle "Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie dagewesen du bist."

Es zeigt uns, wie ernst, wie erwachsen diese zwei jungen Menschen sind, die eigentlich Dummheiten machen sollten, Partys feiern sollten, das Leben genießen. Doch, sie bemitleiden sich dabei nicht einmal selbst. Zumindest nicht auf eine Art, wie Außenstehende das machen. Weil sie keine Angst haben, sich zu verlieren. Viel mehr trifft es sie eigentlich, wie ihre Umwelt auf sie reagiert. "Manchmal war das das Schlimmste am Krebs: die Sichtbarkeit der Krankheit, die einen von den anderen absonderte. Wir waren unüberbrückbar anders …"


Kennt Ihr das, wenn Euch die Tränen so unvermittelt in die Augen schießen, dass es sticht und im gleichen Moment der Kloß in Eurem Hals explosionsartig wächst und den Brustkorb zusammenpresst, dass Ihr regelrecht nach Luft schnappen müsst?? So ging es mir hier in diesem Buch viele Male. Immer wieder musste ich es aus der Hand legen. Konnte nicht weiter lesen, weil meine Augen voller Tränen standen und ich Angst hatte zu ersticken, weil ich keine Luft holen konnte.


Und es war nicht das Sterben irgendwelcher Personen, sondern die kleinen Sätze, die uns das erzählten, was für uns selbstverständlich ist. Sätze, ganz unscheinbar, die mich so unendlich berührten. Die mir zeigten: Schau gut hin, was  Du hast und wie unendlich viel es Wert ist.


Hazel fasste es ziemlich gut in Worte an einer Stelle des Buches. "Nostalgie ist eine Nebenwirkung von Krebs" erklärte ich. "Nein, Nostalgie ist eine Nebenwirkung des Sterbens", gab er zurück. Und eine Art Nostalgie bleibt. Nachdem man leise das Buch zum letzten Mal geschlossen hat.



Fazit:
Das Buch ist lustig, gefühlvoll, auch mal langatmig, dann traurig, ungerecht, realistisch und unendlich bitter-süß. Und das noch lange nachdem man es zugeklappt hat. Es berührt, es öffnet die Augen und den Verstand. Und es ist und bleibt schwer zu beschreiben. Lest es, dann versteht Ihr.

Meine Wertung:




Kommentare:

  1. Werde es dann endlich über die Weihnachtstage lesen.

    AntwortenLöschen
  2. Wunderschöne Rezi und ein Buch, das ich unbedingt lesen will....!
    Liebe Grüße
    Martina

    AntwortenLöschen
  3. Hach. Noch jemand, der so begeistert von diesem Buch ist, wie ich es auch war.
    Wirklich sehr schöne Rezension.

    LG
    Meggie

    AntwortenLöschen
  4. Hoi Fabella

    Ach, ich freue mich jedes Mal, wenn ich jemanden finde, der auch so begeistert von diesem Buch ist. Ich habe deine Rezension wirklich gerne gelesen und alle Emotionen sind gleich wieder hoch gekommen. Ich habe für "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" extra die goldene Leseenten kreiert. Irgendwie waren fünf Leseenten einfach nicht genug . . . aber das ging dir ja nicht anders :-)

    lG Favola

    AntwortenLöschen
  5. Wie schön du deine Impressionen auf den Punkt gebracht hast. Jetzt möchte ich das Buch umso mehr lesen.

    Viele Grüße,
    Kora

    AntwortenLöschen
  6. Huhu

    Ich hab's mir auch am Wochenende vorlesen lassen und konnte die Stöpsel gar nicht mehr aus den Ohren nehmen.
    Ich kann Deine Begeisterung absolut nachvollziehen. Mir hat es ebenfalls total gut gefallen.

    Liebe Grüße
    MacBaylie

    AntwortenLöschen
  7. Oh das ist ist so ein Buch bei dem ich total zwiegespalten bin. So 'nah' so 'real' und schön-traurig. Ich habe Angst ich heule die ganze Zeit und kann gar nicht mehr aufhören ... *schnief*
    Aber meine Mama wünscht es sich zu Weihnachten und bestimmt werde ich es mir dann mal ausleihen.

    LG
    Lilly

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Lilly,
      ja da magst Du wohl recht haben. Allerdings .. ab und an brauche ich einfach mal Bücher, die mich wirklich wirklich berühren, die mir zeigen wie schön es doch ist, was ich habe, die mich öffnen für Mitgefühl für andere Menschen. Und manchmal brauche ich auch einfach ein Buch, das mich wirklich zum Weinen bringt, genau wie ich manchmal Bücher zum Lachen brauche ... versuch es .. es ist wirklich unbeschreiblich genial!

      Löschen
    2. Ich weiß, was du meinst. Genau aus den Gründen reizt mich das Buch ja auch. Ich gucke auch gerne solche 'traurig', gefühlsstarken Filme, aber bei Büchern, Gott das ist dann doppelt intensiv und ich mache mir dann oft auch 'ängstliche' Gedanken. Ich bin etwas bescheuert *g* Aber du hast Recht, spätestens wenn meine Mama dann auch noch das Schwärmen anfängt, werde ich es bestimmt lesen. :)

      LG
      Lilly

      Löschen
  8. Da ich das Buch selbst noch lesen möchte, habe ich mir nur dein Fazit durchgelesen und habe mir schon einen Vorrat an Taschentüchern angelegt.

    Liebe Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen