Montag, 24. September 2012

[Rezension] Cid Jonas Gutenrath - 110 Ein Bulle hört zu

Ullstein
ISBN: 978-3864930010
400 Seiten - Taschenbuch - 14,99 Euro
Erschienen: 09.12.2012
Altersempfehlung: laut Wunsch des Autors: Erwachsene


ebook-Version: KLICK - 12,99 Euro
Hörbuch-Version: KLICK - 14,99 Euro

Der Autor:
Cid Jonas Gutenrath, *1966, war Heimkind, Türsteher, Marine-Taucher, Bundesgrenzschützer, Streifenpolizist und Zivilfahnder, bevor er ein Jahrzehnt lang Notrufe in der Berliner Einsatzzentrale entgegennahm. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern vor den Toren Berlins.






Inhalt:
Cid Jonas Gutenrath - der Autor - sitzt in der Notrufaufnahme der Polizei. Er schildert uns das, worüber wir nie nachdenken. Notrufe. Ernsthafte, glaubhafte, verwirrende, beleidigende, irreführende, bedrohliche, verzweifelte ... es gibt so viele Arten von Notrufen und eigentlich verbirgt sich hinter ihnen allen das Gleiche: ein Hilferuf. Und Cid Jonas Gutenrath versucht zu helfen - so wie es gerade in der augenblicklichen Situation notwendig ist. Und dabei gibt er eigentlich mehr über sich, als über die Anrufer preis.


Meine Meinung:
Dieses Buch machte mich neugierig, seit ich es das erste Mal sah. Doch wenn ich ehrlich bin, wußte ich nicht so genau, was mich hier erwarten würde. Ehrlich gesagt, ich befürchtete eigentlich Sensationsreportage wie bei RTL, erwartete, dass quasi Blut aus den Seiten tropfte. Was mich nicht wirklich reizte. Dennoch war ich so neugierig, dass ich es unbedingt lesen wollte - wenigstens anfangen wollte ich. Und ich wurde wirklich und nachhaltig positiv überrascht.

Denn hier in diesem Buch findet man eher die Biografie eines Polizisten, der zwar in der Notrufstelle sitzt, der aber genau so viel von seinem Leben, seinen Idealen, seinen Vorstellungen und seiner unglaublichen Art preisgibt.

Dieses Buch zu lesen, hat mich belustigt, erschüttert, nachdenklich gemacht und am Ende hätte ich am liebsten selbst die 110 angerufen in der Hoffnung, den Autor am Telefon zu haben. Ich finde es unglaublich einfühlsam, wie er auf die unterschiedlichsten Anrufer eingeht, immer genau so, wie es zu passen scheint. Selbst vom Leben geschult, konnte er nicht selten Ratschläge geben, die den Betroffenen garantiert geholfen haben. Mehr als einmal musste ich schlucken und mich fragen, wie übersteht man so einen Beruf, wie wird man damit fertig.

Wer hier blutige Berichterstattung erwartet oder erhofft, der ist falsch. Und genau das war es, was mir so ausgesprochen gut gefiel. Ernsthafte Themen, hier und da mit kleinen Details gespickt, die mich wirklich zum Lachen gebracht haben. Und gerade bei den nicht so ernst zu nehmenden Anrufen konnte ich manchmal richtig laut und herzhaft lachen. Danke dafür!

Der Autor selbst bezeichnet sich als Kuschelbulle der Sabbelwasser getrunken hat. Und genau das ist seine große Stärke. Das Reden. Für jeden in jedem Augenblick das richtige Wort. Und doch nicht unfehlbar, nicht allmächtig und manchmal konnte er einfach nicht helfen. Und so kann eine Geschichte, die mich erst zum Schmunzeln brachte dann tatsächlich am Ende zu Tränen rühren ... und ich frage mich, wie er es schafft, jeden Morgen erneut diesen schweren Weg zum Arbeitsplatz anzutreten und hoffe, das es viele viele so tolle Menschen wie ihn am Ende der 110-Leitung gibt. Die auf dem Heimweg den großen schwarzen Vogel hören und mich damit irgendwie tief berühren, weil sie so menschlich sind ..

Fazit:
Ein ernsthaftes Buch in einer wirklich unterhaltsamen Art geschrieben. Der - für mich - geniale Humor des Autors lässt das teilweise unsagbar traurige des Buches nicht ganz so trostlos erscheinen. Ein Buch, das ich jedem nur empfehlen kann um mal zu sehen, was für schwere Jobs manche Menschen haben, über das man gar nicht immer nachdenkt.

Meine Wertung:



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