Mittwoch, 18. Juli 2012

[Rezension] Hagen Wolfstetter - Waldzucht - Frankfurt am Main

E-Book
ASIN: B008C7SGS6
ca. 161 Seiten Print-Ausgabe - 3,84 Euro
Erschienen: 18.06.2012
Altersempfehlung: Erwachsene

Der Autor (Zitat Amazon):
Aus einzelnen Buchstaben Worte bauen.
Mit Worten schöne Sätze erfinden.
In Sätzen Bedeutung vermitteln.
Damit die Leser berühren.
Wolfstetters Ambition!

Meine Anmerkung:  Ja, die Beschreibung passt ... manchmal hatte ich das Gefühl, es waren einfach nur Worte, die einen schönen Satz bildeten, der für die Geschichte jedoch gar keine Bedeutung hatte. Leider berührten Sie mich auch nicht.



 
Inhalt:
Nach Landzucht ist dies der zweite Fall des deutschen Kommissars Nasar. Gemeinsam mit seiner Kollegin Yvonne muss er in einem Vermisstenfall ermitteln. Doch so harmlos wie es anfangs scheint, ist es nicht. Schnell wird ihnen klar, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Kleine Jungs verschwinden und werden erst wieder in einem Grab im Wald gefunden. Unter  Hochdruck versuchen sie den Mörder zu finden, doch das ist gar nicht so einfach, da scheinbar jede Spur fehlt.

Meine Meinung: 
Also ich muss ehrlich sagen, dass mir dieser Krimi so überhaupt nicht lag. Und das hatte mehrere Gründe.

Die in meinen Augen sehr sprunghafte und abgehakte Schreibweise des Autors, liegt nicht so wirklich auf meiner Wellenlänge. Wobei ich das als persönliche Empfindung werten würde - dem einen liegt es halt, dem anderen nicht. Über die Schreibfehler konnte man auch noch hinweg sehen, es waren nicht so viele, als dass sie den Lesefluß gestört hätten.

Was mich jedoch gestört hat, war folgendes: Das Buch wird aus zwei Perspektiven geschrieben. Einmal erleben wir alles, was der Mörder macht, hautnah mit - in der Ich-Form. Den Rest des Buches erleben wir in der Erzählform. Normalerweise eigentlich ein sehr interessanter Stil, der einen in den Mörder hineinversetzen soll. Doch das fiel mir etwas schwer. Denn oft wechselte schon nach kleinen Absätzen die Perspektive, und man brauchte immer 1-2 Sätze lang um zu verstehen, dass es schon wieder gewechselt hat. Und wenn man Pech hatte, wechselte es nach dem nächsten Absatz wieder. Vielleicht auch nicht schlecht, hätte man jedoch eine Perspektive mal irgendwie hervorgehoben durch kursive Schrift oder so. Und das kontinuierlich. So war mein Lesefluß nicht selten unterbrochen, weil ich den Wechsel erst in dem Moment verstand, wo wieder ein "ich" vorkam.

Was mir auch nicht so gut gefiel war, dass hier irgendwie - in meinen Augen - sämtliche Klischees, was das Täterprofil anging - abgegrast wurden. Dieses typische: Ich bin doch nicht schuld, die Jungs sind schuld, etc. Sicherlich ticken solche Verbrecher garantiert so, aber das wissen wir doch eigentlich, oder? Und auch die ständigen Wiederholungen des Täters (also in Worten, nicht in Taten), langweilten mich nach einer Weile.

Was mich persönlich auch störte, war das Verhalten des Kommissars Nasar. Er sollte wohl als total verliebt in seine Frau dargetellt sein. Jedoch setzte sich diese Verliebtheit scheinbar nur in den Äußerlichkeiten seiner Frau fest: Die straffe Haut der Brüste, die tolle Figur, dass sie ständig nackt rumturnte oder nur eben einen Bademantel übergeworfen hatte. Seine ganze Verliebtheit wurde immer wieder und wieder und wieder geschildert, aber irgendwie nur im körperlichen Bereich und mit seinen Liebesbeteuerungen "Du Luder". Und ich fand das ehrlich gesagt nicht erotisch, sondern langweilig. Zumal er zwischendurch auch ständig anderen Röcken und Blusen hinterhersah. Hätte er nicht so oft Sex gehabt, ich hätte vermutet, er hätte Notstand.

Was mich auch gestört hat, war dieser zweite Fall, von dem immer mal wieder ein bisschen was erzählt wurde. Der für mich völlig unlogisch war - auch wenn er vielleicht tatsächlich mal so vorgekommen sein mag - die Hintergründe fehlten mir hier. Irgend einen Grund muss die Familie ja für ihr handeln gehabt haben. Warum solche Aussagen? Und auf einmal ist der Fall abgeschlossen? Irgendwie hab ich das alles nur als Füllmaterial gesehen, als bräuchte man noch etwas, was das Buch verlängert. 

Es gab noch 1-2 Ungereimtheiten, die mich sehr irritierten, jedoch mag ich das hier nicht ausführen, weil ich damit wesentliche Inhalte verraten würde, und ich möchte ja keinem den Spaß nehmen. Für mich waren sie nur so wichtig, dass die Geschichte in sich sehr unvollständig am Ende erschien. Als Stichwort sage ich hier mal "ärztliches Attest". Der Autor sollte dann wissen, was ich hier kritisiere.

Das Ende, bzw. sagen wir das Ende nach dem eigentlich Ende fand ich dann auch noch sehr merkwürdig und irgendwie gar nicht zur Geschichte passend, als wollte man noch einen Abschluß mit Pauken und Trompeten schaffen, der - wieder in meinen Augen - total überflüssig war.

Fazit :
Von der Grundidee her bestimmt nicht schlecht, jedoch hat mir die ständig aufgesetzte Gier des Kommissars nach "Röcken" den letzten Nerv gekostet. Der Täter langweilte mich ziemlich schnell mit seinen ständigen Wort-Wiederholungen und der häufige Wechsel der Perspektive unterbrach nicht selten das flüssige Lesen. 

Ich danke noch einmal dem Autor, der mir sein Buch zur Rezension gab und hoffe, er ist über meine ehrlichen Worte nicht böse.

Meine Wertung:




Kommentare:

  1. Liebe Sandra,
    ich hoffe, wenn ich das erste mal ein Buch komme, welches mir nicht gefällt, daß ich es dann auch so präzise, hilfreich und fair beschreiben kann! Hut ab!

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  2. Liebe Sandra,
    sei versichert für deine Ausführungen bin ich dir dankbar - nicht böse.
    Es ist deine erhliche Meinung und ich kann (fast) alles gut verstehen.
    Und kann mich daraus, wo ich möchte, weiter entwickeln.

    Danke!
    Hagen Wolfstetter

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