Samstag, 8. Januar 2011

[Rezension] Nora Melling - Schattenblüte


Nora Melling - Schattenblüte - Die Verborgenen

rowohlt-polaris Verlag
ISBN: 978-3-86252-000-8
348 Seiten gebunden

Eine Liebe, stärker als der Tod.




Luisa ist todunglücklich, seit ihr kleiner Bruder verstarb. Sie lebt nicht mehr, sie funktioniert nur noch. Und das auch nicht mehr richtig. Ihre Eltern versuchen sie aus allem rauszuhalten und machen es damit eigentlich nur noch schlimmer. Immer wieder streift Louisa durch die Parks und Wälder Berlins, auf der Suche nach Einsamkeit. Und dann fühlt sie sich verfolgt, von einem großen, schwarzen, zotteligen Hund. Aus Angst, aber auch weil sie des Lebens überdrüssig ist, klettert sie auf einen hohen Turm, um sich das Leben zu nehmen. Und plötzlich taucht Thursen auf und hindert sie daran. Und er ringt ihr das Versprechen ab, sich nichts anzutun.

Danach verschwindet Thursen erst einmal und läßt Louisa allein zurück. Immer noch tief versunken in ihrem Schmerz. Aber nun ist etwas neues hinzugekommen. Sie muß Thursen wiedersehen und sucht ihn. Solange - bis sie ihn tatsächlich findet. Ihn und ein paar andere Jugendliche und ein Rudel Wölfe.

Aber sind es wirklich Wölfe und sind die Jugendlichen wirklich Menschen? Und warum haben sie so unbekannte Namen? Und Louisa erfährt die Wahrheit - sie sind Werwölfe. Und mit jeder Verwandlung wird es schwieriger, sich in einen Menschen zurückzuverwandeln. Einige von ihnen können es schon gar nicht mehr.

Louisa bangt um Thursen. Sie will nicht auch noch ihn verlieren. Und auch Thursen versucht alles, um für Louisa länger Mensch zu bleiben. Doch beide Wissen, daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis es ihm nicht mehr gelingen wird - und dann wird er für immer für Louisa verloren bleiben. Und dann entdeckt Louisa einen Ausweg, aber will sie diesen Weg wirklich gehen. Ist es richtig oder falsch? Oder wird sie ihn so oder so verlieren?

Wow .. dieses Buch hat es wirklich in sich. Schauplatz der Geschichte ist Berlin. Und kleine Begebenheiten, wie das Geld sammeln auf den Straßen Berlins oder das fahren mit U-Bahnen, lassen auch diese Geschichte ein bißchen realitätsnah wirken. Eigentlich unterstreichen sie noch das Unmögliche, was hier in diesem Buch geschieht.

Louisa ist zu Beginn des Buches etwas anstrengend. Trotzig, wütend auf sich und die Welt gibt es für sie nur ihren eigenen Kummer. In ihrer Welt meint sie, daß niemand so leidet wie sie. Auch auf ihre Eltern ist sie wütend, die sie aus ihrer Heimatstadt Hamburg kurz nach dem Tod ihres Bruders weggezerrt haben. Die alles vernichtet haben, was an ihren Bruder erinnern könnte. Sie ist gefangen in ihrer Trauer bis sie Thursen begegnet. Er versucht ihr in ihrer Trauer zu helfen. Doch seine eigenen Probleme sind viel zu groß. Und doch lenkt er Louisa von ihren eigenen Problemen mehr und mehr ab und stürzt sie damit in neue.

Schattenblüte fesselt den Leser. Man kann nicht erwarten, wie es weitergeht, wie es endet und doch fürchtet man gleichzeitig, daß es endet. Und vor allem wie es endet. Weist einen das Buch doch direkt zu Anfang darauf hin, daß es der Auftakt zu einer Serie ist. Wird auch dies wieder ein Buch ohne Ende sein? Und doch war ich am Schluß überrascht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es weitergehen soll. Und dennoch kann ich es kaum erwarten.

Schön fand ich, daß hier das Klischee des Werwolfes nicht wie gewohnt beibehalten wird. Keine menschenzerreissenden, unkontrollierbaren Wesen. Aber dennoch sollte man auch keine Schoßhunde erwarten - sie sind und verhalten sich wie Tiere. Und trotzdem hat man das Gefühl, man muß einfach mit ihnen leiden, sie trösten und behüten.

Schattenblüte ist der Debüt-Roman von Nora Melling, einer deutschen Autorin, die in Berlin lebt. Und das mag man kaum glauben. Es bleibt zu hoffen, daß noch viele Werke von ihr folgen werden, die einen genau so einfangen. Ihr Schreibstil ist einfach fesselnd, ihre Beschreibungen so lebensecht, daß sie genaue Bilder entstehen lassen, ohne dabei langatmig oder ausartend zu sein.

Ich hatte ein bißchen Schwierigkeiten, mit nach diesem Buch wieder in die Realität zu begeben. Aber das mit einem durchaus positiven Gefühl.

Auch aus diesem Buch hab ich Euch einen Satz mitgebracht, der hängen geblieben ist:

"Sein Lächeln kommt mir vor wie ein schmaler Sonnenstrahl, der nach langem Regen über den nassen Boden huscht. Ein Hauch Frühling nach dem Winter. Zu wenig, sich daran zu erwärmen, aber mit Hoffnung auf mehr."

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